2019 Wanderreise auf die Azoren

Zu einer außergewöhnlichen Wanderreise machte sich am 25. September eine Gruppe von 18 Wanderern unserer Sektion auf den Weg. Ziel war die Azoreninsel Pico mit dem gleichnamigen schlafenden Vulkan, der auch der höchste Berg Portugals ist. Alle Inseln der Azoren sind vulkanischen Ursprungs, aber auf keiner anderen tritt der Vulkanismus so unmittelbar und deutlich hervor wie auf Pico.

An fünf Wandertagen erkundete die sehr harmonische und bestens gestimmte Wandergruppe die Insel, auf Wanderwegen im Hochland, über Lavafelder hinab zur zerklüfteten rauen Küste, meist mit traumhaftem Blick über das Meer und die Nachbarinseln. Immer wieder beeindruckend war der Kontrast zwischen schwarzer Lava und üppiger sattgrüner Vegetation. Dazu kilometerlange Hortensienhecken entlang der Straßen und Wege, und überall, von jeder Anhöhe aus sichtbar, kleinere Vulkan- und Kraterkegel in der Landschaft.

Intensiv nahmen die Teilnehmer die unterschiedlichen Eindrücke auf: Das Hochland, das mit seiner Weidewirtschaft an das Voralpengebiet erinnerte, der dschungelartige Urwald, den sie auf dem Weg zur Küste hinab durchquerten, mit einer Duftorgie von Jasmin, Lilien, Minze und allerlei unbekannten Kräutern, der Küstenstreifen mit seiner besonderen, von der UNESCO als Welterbe eingestuften Art des Weinbaus, und die schwarzen kahlen Lavafelder an der Küste selbst.

Das Reiseprogramm sah mehr als nur Wanderungen vor: So lernten die Wanderer in der längsten Lavahöhle Europas und im „Haus der Vulkane“ die Urkraft des Vulkanismus kennen, sie informierten sich im Weinbaumuseum über die Besonderheiten des Weinbaus auf Pico, probierten natürlich auch die lokalen Weine, und ein ganzer Tag, an dem unsere Wanderer aus Franken zu Seefahrern wurden, gehörte den Walen. In zwei Schlauchbooten fuhr die Gruppe hinaus aufs Meer zum „Whalewatching“ und befand sich urplötzlich inmitten zweier großer Schulen von Delfinen mit mehr als 100 Tieren, die so nahe um die Boote spielten und sprangen, dass man sie mit der Hand hätte berühren können.

Einen Höhepunkt bot die Besteigung des Pico: Die Wanderung begann auf 1220 m Höhe, führte zum Kraterrand auf 2250 m und weiter zum kleinen Gipfelchen, dem Piquinho mit 2351 m. Ein Höhenunterschied von ca. 1100 m war zu überwinden, eigentlich nichts Besonderes für die meisten Teilnehmer. Der Berg ist jedoch steil, die Lava messerscharf, sehr blockig und ruppig, ohne einen richtigen Pfad oder gar Weg, und die Besteigung war höchst anspruchsvoll. Absolute Trittsicherheit war gefordert und die Gruppe machte sich mit einer gehörigen Portion Achtung auf den Weg. Unterwegs stellten auch die vorher noch ungläubigen fest, dass an diesem Berg der Abstieg fast noch schwieriger sein würde als der Aufstieg. Am Kraterrand bot sich denen, die nicht im flachen Krater Schutz vor dem starken Wind suchten, ein großartiger Ausblick über alle Inseln der Azoren-Mittelgruppe, und diejenigen, die noch den Piquinho, den eigentlichen Gipfel bestiegen, konnten am eigenen Leib spüren, dass der Vulkan nur schläft: Warme Gase und Dämpfe aus Spalten im Berg begleiteten sie bis auf den Gipfel. Der Stolz auf die eigene Leistung war an diesem Abend jedem ins Gesicht geschrieben.

Seit Tagen schon kursierten Meldungen über einen Hurrikan, der die Inseln am Tag der Abreise der Wanderer treffen sollte. Lorenzo hieß er, und es blieb die Frage, ob die Gruppe wie geplant nach Lissabon ausfliegen könne oder ob der Sturm sie noch länger auf der Insel festhalten würde. Die Spannung war hoch, laufend wurden alle verfügbaren Wetterberichte konsultiert, doch allmählich wurde absehbar, dass der Sturm erst nach unserem Abflug komme, und 2 Stunden vor Inkrafttreten des Katastrophenalarms und der Schließung des Flughafens, vier Stunden vor dem Maximum des Orkans hob das Flugzeug mit den Wanderern an Bord nach Lissabon ab.

Mehr als ein ganzer Tag war als Zwischenaufenthalt im lebhaften Lissabon eingeplant. Jeder nutzte diese Zeit nach seinen eigenen Interessen, und abends feierte man gemeinsam den Abschluss einer sehr gelungenen Wanderreise voller Höhepunkte bei Fado, diesen sehnsuchtgetragenen portugiesischen Liedern, bei gutem Essen und gutem Wein.

Was den Wanderern im Gedächtnis bleiben wird, sind das Glücksgefühl nach der hoch anstrengenden Besteigung des Pico, das hervorragende Hotel an der rauen zerklüfteten Küste, der nächtliche Ruf des Gelbschnabelsturmtauchers (ein markantes Aua-aua-aua-jaaa, das zu allerlei Deutungen anregte), der intensive Blumenduft, die Blumen- und Blütenpracht und eine rundum gelungene Wanderreise auf einer ruhigen naturbelassenen Insel mit freundlichen Bewohnern.

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